Kontroversenblogger – wider den Konsenszwang

2. April 2016
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Rollendenken contra Ergebnisdenken

In einer Welt, wo zu Lasten der am besten weltweiten Skalierbarkeit Arbeitsabläufe, Bearbeitungen von Dingen und Kunden und anderes in kleine Häppchen zerlegt und normiert werden, ergeben sich mit ein wenig Beobachtung oder Nachdenken klare Nachteile für diesen vielleicht doch nur vermeintlich großartigen Ansatz.

Innovation, ergebnisgetrieben

Ein Obstbauer entdeckt durch Zufall, dass eine nicht so gewünschte Eigenschaft einer Apfelsorte sich durch züchterische Maßnahme, eine besondere Art der Düngung, Bewässerung, Ernte oder Lagerung beseitigen lässt. Er reproduziert das Ergebnis, notiert das für die Firmenunterlagen, bringt das im Anbau in die Fläche und bringt seine Ware über einige Händler auf den Markt. Diese werden geschult, auf die neue Eigenschaft hinzuweisen. Die Kunden probieren die Äpfel, bewerten die neue Eigenschaft und wenn diese überzeugt, lassen sich mehr Äpfel verkaufen. Innovation, Weg zum Markt und Kommunikationsweg sind kurz. Der Obstbauer hat den Überblick und alle Beteiligten kennen Nutzen für Kunden und sich selbst.

Innovation, rollengetrieben

Eine „neue“ Apfelsorte wird am Reißbrett kreiert. Es gibt einen Besteller solcher Kreation und einen Lieferanten, der auf diesen Prozess spezialisiert ist. Ob einer der Beteiligten die selbe Leidenschaft wie ein Familienunternehmen für die Sache hat, kann angezweifelt werden. Es wird eine Eigenschaft herausgepickt, die wortreich beschreibbar ist. Der Text wird in der Tendenz von einer Agentur kommen, die sonst Autos, Klopapier und Rasierklingen als Gegenstand hat. Ein Bezug zum Apfel ist eher Zufall in der Kantine oder im modischen Smoothie. Text und Bilder werden komponiert. Nun ja. Dann kommt das Ergebnis liebevoll auf einen Karton gedruckt, der später 4 oder 6 Äpfel aufnehmen soll. Pappe und Äpfel werden nun noch cellophaniert. Die eher nicht bei einem Obstbauern stehende Verpackungsmaschine wickelt sonst alles ein, was essbar ist und verkauft werden darf. Der verpackende Lohnbetrieb kämpft um Cents pro 100 verpackte Einheiten und lässt den Abriss/die Schnittkante des Celloophans nach Standardmethode auf die Pappseite der Einheit zwirbeln. Dort nun verdeckt sie fast vollständig den Text, der dem Kunden im Laden eigentlich den neuen Apfel schmackhaft machen soll. Aua.

Geheimbotschaft über das Produkt. Dumm gelaufen.

Geheimbotschaft über das Produkt. Dumm gelaufen.

Was ist das Problem?

  • Die Anbaueinheit hat doch einen Forschungsauftrag vergeben, bei dem es ein definiertes Ergebnis erhalten hat.
  • Der Vermarkter hat nach einem Briefing einen Text in Auftrag gegeben, der in definierter Qualität geliefert wurde.
  • Es wurde eine Druckerei gefunden, die Verpackungen in der vom Lebensmitteleinzelhandel akzeptierten Qualität zu niedrigem Preis liefert.
  • Der Einkauf hat knallhart mit dem Verpackungsbetrieb verhandelt und triumphal ein paar Cent eingespart.
  • Aber niemand hat sich die Mütze aufgesetzt und das Projekt wirklich zu Ende gedacht, weil jeder perfekt in seiner Rolle geblieben ist.

Die gute Nachricht: Dieses Denken in Rollen mit seinen Grenzen und teils absehbaren Verwerfungen eröffnet Menschen mit Leidenschaft für bestimmte Märkte große Nischen, in denen es sich prima leben lässt. Man darf nur keine Angst vor der großen Maschinerie des Lebensmiteleinzelhandels haben und diese nicht nachäffen wollen. Irgendwas 3 Cents billiger machen aber dabei für 5 Cents die Qualität verschlechtern oder Menschen in der Wertschöpfungskette um ihren fairen Anteil zu bringen, ist sicher kein kluger Ansatz.

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